Anmerkungen
Regensburg
April 1942
Anmerkungen
Schlagworte
6
Das Verfolgungsereignis
Deportation von Regensburg nach Piaski am 04.04.1942
Am 3. April 1942 verhaftete die Ordnungs- und Sicherheitspolizei in ganz Niederbayern und der Oberpfalz als Jüdinnen und Juden verfolgte Personen. Die Polizisten brachten sie per Bahn zur Sammelstelle nach Regensburg. Dort, im Betsaal des jüdischen Gemeindehauses in der Schäffnerstraße 4, mussten sie die Nacht verbringen und sich am nächsten Morgen auf dem Gelände der 1938 zerstörten und abgerissenen Synagoge aufstellen, bevor sie mit Bussen zum Regensburger Ostbahnhof gebracht wurden. Gemeinsam mit 106 Regensburger Jüdinnen und Juden, die erst am Morgen des 4. April 1942 aus ihren Wohnungen abgeholt und im jüdischen Altersheim in der Weissenburgerstraße 31 eine erniedrigende ärztliche Untersuchung über sich hatten ergehen lassen müssen, mussten sie in einen aus München kommenden Personenzug steigen. Nach vier Tagen Fahrt erreichte der Transport mit insgesamt 987 Jüdinnen und Juden das Ghetto Piaski bei Lublin. Die dorthin Verschleppten erlagen entweder den katastrophalen Bedingungen im Ghetto oder wurden im Zuge der „Aktion Reinhardt“ in Vernichtungslagern ermordet.
Es sind keine Überlebenden dieser Deportation bekannt.
Quellen
Über die Bildserie
Die Schwarz-Weiß-Fotografie im Querformat wurde am 3. oder 4. April 1942 von einem unbekannten Fotografen aufgenommen, der sich zum Zeitpunkt der heimlichen Aufnahme in einer erhöhten und distanzierten Position befand. Die Aufnahme, die lediglich als Reproduktion vorliegt, zeigt mindestens 75 Personen, die sich auf dem Gelände der 1938 zerstörten und abgerissenen Regensburger Synagoge mit ihrem Handgepäck in Reihe aufstellen mussten. Bewacht von uniformierten Polizisten scheinen sie einzeln aufgerufen zu werden, um den Platz nacheinander zu verlassen oder das Sammellager zu betreten. Keine der abgebildeten Personen ist namentlich bekannt.
Fotograf:in
Unbekannt,
Das Foto wurde aus einem der gegenüberliegenden Häuser in der Schäffnerstraße (heute Am Brixener Hof) aufgenommen. Vermutlich hat ein:e Bewohner:in das Foto gemacht – mit welcher Motivation, ist unklar.
Der Theologe und Judaist Andreas Angerstorfer vermutete, dass „ein Bankdirektor, aus seiner gegenüberliegenden Wohnung das letzte Foto“ der Regensburger Jüdinnen und Juden aufgenommen hatte. Allerdings ist das Bankgebäude, über dem auch eine Wohnung eingerichtet war, auf dem Foto zu sehen.
Überlieferung
Signatur bei der besitzenden Entität:
503/6168
Bezeichnung des Bildes bei der besitzenden Entität:
Regensburg, Germany, German policemen supervising the rounding up of town's Jews during deportation, 1942.
Danksagung
Vielen Dank an Katharina Lenz für die Informationen bezüglich der Position des oder der Fotograf:in. Dr. Sebastian Schott vom Stadtarchiv Weiden danken wir für seine wichtigen Hinweise zu der abgebildeten Menschengruppe.
Text und Recherche: Malte Grünkorn.
Kooperationsverbund #LastSeen. Bilder der NS-Deportationen Dr. Alina Bothe Projektleiterin
c/o Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg
Freie Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 34A
14195 Berlin
lastseen@zedat.fu-berlin.de
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