Hildesheim

26. März 1942

Der Zehnjährige Norbert Israel steht etwas außerhalb der Reihe von Verfolgten, die für die „Durchschleusung“ anstehen. Am Tisch müssen dem Personal (vermutlich Gestapo) scheinbar Dokumente abgegeben werden, während im Hintergrund links eine Person durchsucht wird. Auf der anderen Seite des Raumes steht ein langer Tisch mit Gegenständen.

Anmerkungen

Hildesheim, 26. März 1942
Norbert Israel
Gelber Stern
Handgepäck
Täter:innen
Stempelkissen
Sicherheitspolizei

Das Verfolgungsereignis

De­por­ta­ti­on von Hil­des­heim nach War­schau am 27.03.1942

Mit dem Koppelzug DA6 deportierte die Gestapo am 31. März 1942 etwa 1000 Personen aus den Staatspolizeibezirken Münster, Hannover und Braunschweig ins Warschauer Ghetto. Darunter befanden sich 241 Jüdinnen und Juden aus dem Regierungsbezirk Hildesheim. Diese wurden am 26. März 1942 aus ihren Wohnungen in der Hildesheimer Gendarmerieschule gebracht, wo sie und ihr Gepäck durchsucht wurden und sie – ihrer letzten Wertsachen beraubt – eine Nacht verbringen mussten. Am 27. März wurden sie mit Sonderzügen der Straßenbahnlinie 11 vom nahegelegenen Straßenbahndepot zum Sammellager in der Gartenbauschule Ahlem gebracht, wo sie mit den anderen Deportierten aus dem Bezirk Hannover zusammentrafen. Am 31. März wurden sie per Lastwagen zum Bahnhof Fischerhof transportiert. Kurz nach Mitternacht fuhr der Zug über Braunschweig nach Warschau los. Nach der Ankunft am 2. April kamen die Deportierten zunächst in Quarantäne außerhalb des Ghettos, bevor ihnen Quartiere im Ghetto zugewiesen wurden.. Höchstwahrscheinlich wurden die meisten von ihnen im Sommer 1942 im nahegelegenen Vernichtungslager Treblinka ermordet. Überlebende sind nicht bekannt.

Über die Bild­se­rie

14 Bilder zeigen die Deportation der als Jüdinnen und Juden verfolgten Menschen aus Hildesheim und Umgebung. Davon wurden vier Bilder auf dem Gelände der Hildesheimer Gendarmerieschule aufgenommen, wo die Registrierung, Durchsuchung und Beraubung der Deportierten stattfand. Zehn Fotos wurden am Straßenbahndepot in der Nähe des Hauptbahnhofes gemacht, bevor die Menschen nach Ahlem bei Hannover gebracht wurden. Die vermutlich zeitgenössischen Abzüge enthalten Beschädigungen wie z.B. Tintenflecke, und eine rückseitige Sequenzierung, die jedoch nicht chronologisch ist. Die originale Aufnahmefolge lässt sich nicht rekonstruieren.

Fotograf:in

Un­be­kannt,

Überlieferung

Die Bildserie wurde am 3. März 2003 anonym im Stadtarchiv Hildesheim abgegeben. Entsprechend sind weder die fotografierende Person noch die Überlieferungsgeschichte bekannt. Aufgrund der zentralen Position im Geschehen und dem Zugang zu den Innenräumen des Sammellagers ist davon auszugehen, dass die Fotos von einer:m Täter:in aufgenommen wurden oder im Auftrag bzw. im Wissen der beteiligten Behörden. Am 26. März 1942 filmte zusätzlich der Stadtinspektor Erwin Kamberger die Ankunft im Sammellager. Die etwa einminütige Sequenz ist ebenfalls im Stadtarchiv Hildesheim überliefert.

Si­gna­tur bei der be­sit­zen­den En­ti­tät:

Best. 951 Nr. 8377 Bild 1

Be­zeich­nung des Bil­des bei der be­sit­zen­den En­ti­tät:

De­por­ta­ti­on der Hil­des­hei­mer Ju­den: Ab­ga­be von Wert­sa­chen im Po­li­zei­ge­bäu­de Kai­ser­stra­ße

Danksagung

Wir danken Frau Buhrmester-Rischmüller und Frau Gaßmann vom Stadtarchiv für die zuvorkommende und freundliche Kooperation. Ein besonderer Dank gilt Frau Buchholz für den wertvollen Hinweis auf die Fotos.

Text und Re­cher­che: Lisa Pa­duch und Ali­na Bo­the.

Kooperationsverbund #LastSeen.
Bilder der NS-Deportationen

Dr. Alina Bothe
Projektleiterin

c/o Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg
Freie Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 34A
14195 Berlin
lastseen@zedat.fu-berlin.de